Was Schmetterlinge dir verraten

Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

Für Dominik sind Schmetterlinge – neben Vögeln – die faszinierendsten Lebewesen unserer heimischen Natur. Er sagt: „Schmetterlinge wirken wie kostbare Meisterwerke, von Genies erdacht.“
Schon als Kind hat er sie gesucht, vorsichtig gefangen, genau angeschaut – und dann wieder dort freigelassen, wo er sie gefunden hat.

Schmetterlinge gehören zu unserem Sommer wie Sonne und warme Temperaturen.
Sie gleiten über Wiesen, ziehen an Hecken entlang, tauchen am Feldrand auf – und manchmal sitzen sie ganz still, als würden sie kurz ausruhen. Die Natur hat sie mit schillernden Farben und Mustern geschmückt: Brauner Bär, Stachelbeerspanner, Roter Apollo, Schwalbenschwanz – jede Art ein kleines Kunstwerk.

Schmetterlinge sind nicht nur schön anzusehen. Die meisten Schmetterlingsarten ernähren sich als erwachsenes Tier von Nektar. Wenn sie von Pflanze zu Pflanze tanzen und mit ihrem Rüssel Nektar trinken, helfen sie ganz nebenbei, Pollen weiterzutragen. So unterstützen sie Pflanzen dabei, neue Samen und Früchte zu bilden.

Schmetterlinge verraten dir noch etwas: Sie sind ein Frühwarnsignal der Natur. Wenn es ihnen gut geht, ist das oft ein Zeichen: Wiesen, Hecken, Gärten und Feldränder sind lebendig. Wenn sie verschwinden, stimmt in ihrem Lebensraum etwas nicht.

Und jetzt kommt das, was viele übersehen: Schmetterlinge brauchen in jeder Phase ihres Lebens ein zuhause und geeignete Nahrungsquellen – als Ei, als Raupe, als Puppe und als Falter. Die meisten Arten sind die längste Zeit ihres Lebens nämlich gar kein Falter, sondern Raupe oder Puppe. Genau dann sind sie besonders gefährdet.

Das bedeutet: Ein noch so liebevoll angelegter Blühstreifen ist noch kein schmetterlingsfreundlicher Ort. Er ist eher eine Tankstelle. Ein Zuhause entsteht erst mit Raupenpflanzen und Verstecken: eine Brennnessel-Ecke zum Beispiel. Unaufgeräumte Stauden und Grasbüschel. Feldränder, die stehen bleiben dürfen. Dazu Pflanzen, die viele Raupen zum Leben brauchen – Bäume und Sträucher, wie Weiden, Eichen oder Schlehen, Brombeeren und viele heimische Kräuter, auch die unscheinbaren. Und Plätze zum Überwintern: Laub, Stängel, Hecken, wilde Ecken – nicht alles im Herbst glattziehen. Erst wenn das Gesamtpaket stimmt, können Schmetterlinge wirklich bleiben.

Warum verschwinden die Lebensgrundlagen von Schmetterlingen?
Der Schlüssel liegt in der Landnutzung – also darin, wie wir unsere Lebensmittel produzieren. Rund die Hälfte Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt – und fast 90 % dieser Fläche wird konventionell bewirtschaftet. In diesem System zählt vor allem Wachstum: Felder werden, wo es geht, vergrößert – Bäume fallen, Hecken werden entfernt, Blühstreifen am Ackerrand verschwinden. Chemische Dünger, Pestizide und auf hohe Erträge gezüchtete Pflanzen sollen die Ernten immer weiter steigern. Diese einseitige Ausrichtung gefährdet Schmetterlinge & Co.

Je nach Standort gibt es unterschiedliche Faktoren, die sich negativ auf Schmetterlinge und andere Insekten auswirken. Hier sind drei wichtige Gründe:

1. Pestizide

Pestizide sind hochspezialisierte meist giftige Chemikalien. Menschen setzen sie ein, um bestimmte Pflanzen, Pilze oder Tiere zu töten. Sie werden auf Feldern, im Wald, in Parks oder an Wegrändern gespritzt – zum Beispiel, um Arbeit zu sparen, Ernten planbarer zu machen oder einfach, damit alles „ordentlich“ aussieht.

Für Schmetterlinge sind zwei Arten von Pestiziden besonders schädlich: Insektenvernichtungsmittel (Insektizide) und Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide).

Insektizide werden eingesetzt, um sogenannte Schädlinge zu töten. Das Problem: Sie treffen nicht nur die Insekten, die Menschen loswerden wollen, sondern oft auch alle anderen.
Und weil Insekten Futter für Vögel sind, hat das Folgen: Wenn es weniger Insekten gibt, finden Vögel weniger zu fressen und vergiftete Insekten können Vögel töten, wenn sie sie fressen.

Pflanzengifte (Herbizide) vernichten Wildkräuter und andere Pflanzen. Mit ihnen verschwinden Raupenpflanzen und Verstecke – und damit Nahrung und Lebensraum für viele Insekten – auch für Schmetterlinge.

2. Cocktaileffekt

Insekten nehmen über Luft, Wasser und Pflanzen viele Chemikalien auf, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Diese Mischung kann deutlich schädlicher sein als ein einzelner Stoff allein. Das Problem: Bei der Zulassung von Pestiziden wird dieser Cocktaileffekt von Behörden nicht berücksichtigt.

3. Monotone und aufgeräumte Landschaften

Wo auf riesigen Flächen fast nur noch Mais, Getreide oder Zuckerrüben stehen, gibt es kaum Blüten und kaum Vielfalt. Dann finden Insekten oft zu wenig Nahrung, zu wenig Verstecke und kaum Plätze, um sich fortzupflanzen. Und auch viele Wiesen und Weiden werden ärmer: Wenn sie stark gedüngt und häufig gemäht werden, verschwinden viele Kräuter und seltene Pflanzen – und mit ihnen die Insektenvielfalt.

Auch sterile und auf Ordnung getrimmte Gärten sind für Schmetterlinge eine Wüste: Kurzer Rasen, Kiesflächen und große Steine sehen „ordentlich“ aus – bieten Raupen, Faltern und anderen Insekten aber keine Lebensgrundlagen. Der Handlungsbedarf zum Schutz von Schmetterlingen ist groß. Wir alle können dazu beitragen!

5 Dinge, die du über Schmetterlinge wissen musst:

1. Der Name „Schmetterling“
kommt vom alten Wort „Schmetten“ für Rahm oder Schmand schlagen. Einige Arten wurden früher häufig dabei beobachtet, wie sie vom Rahm angelockt wurden.

2. Etwa 3.700 Schmetterlingsarten leben in Deutschland.

3. Mehr als 3.500 Arten gehören zu den Nachtfaltern.
Es gibt sogar mehr tagaktive Nachtfalter als Tagfalterarten.

4. Nur rund 190 Schmetterlingsarten sind Tagfalter.
Man erkennt sie an den knopfartig verdickten Fühlerenden – so wie Kinder Schmetterlinge oft malen: ein Strich mit einem kleinen Bommel am Ende.

5. Rund 50 % der Arten sind gefährdet.
Etwa 5 % gelten bereits als ausgestorben oder verschollen.