Die Ausgangslage: Der Ort, den wir verwandeln wollten
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- Ausgangsort: Ehemaliges Bergbaugebiet „Ewald 5“, die -wie so viele- im Ruhrgebiet als sogenannte Abraum-Halden zurückgelassen wurden.
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- Früher gab es auf der Fläche sehr viele Gebäude und Bergbau-Einrichtungen an unterschiedlichen Orten von Wohnhäusern über Schmieden und dem tiefen Wetterschacht bis hin zu Parkplätzen.
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- Es lag dann einige Jahre brach mit all den Altlasten der Vergangenheit (Gebäude, Fundamente, Versiegelungen, Zäune, Müll, zweckmäßige und naturferne).
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- Durch die naturferne Bepflanzung und mangelnde (lenkende) Pflege der offenen Bereiche übernahmen ein paar wenige sehr konkurrenzstarke Arten schon bald die Oberhand und breiteten sich stark aus, insbesondere Robinie, Kanadische Goldrute, Japanischer Staudenknöterich.
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- Es war ein trostloser Ort mit geringer Vielfalt und zahlreichen Beeinträchtigungen, die direkt und indirekt die Artenvielfalt verhindern oder verringern (oder es noch würden).
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- Es fehlt die heimische Vielfalt auf allen Ebenen – Lebensräume, Arten und deren Genpool – besonders bei den letzten Reliktarten und es fehlt Liebe.
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- Damals – Heute: das Bild zeigt ca. 4 Jahre
Unser Antrieb: Warum wir losgelegt haben
Wir wollen auf dieser Fläche die Schäden wiedergutmachen, die menschliches Handeln an Natur und Umwelt zurückgelassen hat.
Im Grunde funktionieren diese Leuchtturm-Flächen in der ausgeräumten und verarmten Landschaft als Arche-Noah.
Die Verwandlung: Was wir angepackt haben
Ehe wir richtig loslegen konnten, die Natur wiederherzustellen, mussten zu Beginn erstmal die Grundbedingungen stimmen. Anschließend konnten neue Biotope angelegt und alles gepflegt werden.
1. Phase: Entsiegelung:
Versiegelte Flächen sind die stärksten Beeinträchtigungen in Ökosytemen, denn sie verhindern das Leben und den Austausch (das Atmen).
2. Phase: Entwickeln – Biotope neu anlegen – oder gestalten:
Die Entsiegelung brachte neue Möglichkeiten mit sich, um Biotope ganz neu anzulegen und bestehende wurden umgestaltet, um dadurch insgesamt die Lebensraumvielfalt und mit ihr die künftige Artenvielfalt zu erhöhen.
3. Phase: Pflegen – langfristige Entwicklung- und Erhalt der Biotope:
Die mühsam angelegten Biotope sind vielfältig und in ihrer Entstehungsgeschichte manchmal mehr und manchmal weniger vom Menschen abhängig.
Wir haben
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- Abrissreife Gebäude zurück bauen lassen.
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- Alte Wege und Plätze entweder vollständig zurückgebaut oder – wo wir sie selbst zur Bewirtschaftung brauchen- mit regionalem Schotter versickerungsfähig und durch Spezialisten (wie Ödlandschrecken) bewohnbar gemacht.
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- Alte und rostige Zäune samt Fundament vorsichtig entfernt, entsorgt und damit Barrieren entfernt.
- Alten und neuen (!) Müll gesammelt und entsorgt.
Wir haben:
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- Die Lebensraumvielfalt gesteigert, indem z.B. Gewässer angelegt und Säume sowie Blüten- und artenreiche Wiesen eingesät sowie Gehölz- und Krautsäume angelegt wurden.
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- Die Gewässer und deren Strukturen dienen als Nahrungshabitat, Rast- und Ruhestätte u.a. für Schmetterlinge
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- Artenreiche Säume und Wiesen bieten Nahrungs- und Brutpflanzen auch zur Überwinterung, gesichtet wurden u.a. C-Falter, Bläuling und Fleckenbär
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- Sonderbiotope angelegt, die zusätzlich zu den flächigen Biotopen auch lineare und punktuelle Strukturen ermöglichen, um diese zu vernetzen (Reisighecke, Steinriegel, Steinhaufen, Ruderalflächen).
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- Gebäude mit Strukturen und Besiedlungsspuren für den Artenschutz umgewidmet (Nistkästen, Holzverkleidung, Begrünung, Sandboden, Steinhaufen, winterfestes Quartier).
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- Winterquartier von mehreren Schmetterlingen, u.a. Tagpfauenauge
- Beschilderungen je Biotopkategorie angefertigt, um die Besuchenden zu begrüßen, zu informieren und sensibilisieren, damit die Fläche begehbar bleibt aber ohne zu beeinträchtigen.
Entsprechend haben wir:
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- Die Gehölz(Wald)Bereiche umgebaut, indem invasive Arten zurückgenommen wurden (als stehendes & liegendes Totholz) und diverse heimische, standortgerechte Gehölzarten (unter)gepflanzt wurden, sodass sie sich in gesunde, naturnahe Laubwälder verwandeln können.
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- Die Grünland(Offenland)Bereiche in eine regelmäßige Nutzung genommen, sodass sie durch schonendes Mähen erhalten bleiben und sich die Blütenvielfalt erhält.
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- Die Gewässerbereiche von jungen Bäumen freigeschnitten und bei Bedarf von Algen befreit.
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- Die Sonderbiotope je nach Typ gereinigt, freigeschnitten oder neu aufgefüllt.
- ….und vieles mehr.
Die Rückkehr: Was uns Hoffnung gibt
In den 5 Jahren, in denen wir uns nun um die Fläche kümmern, ist optisch schon ganz viel passiert. Für Ökosysteme ist das allerdings ein ganz kurzer Zeitraum, sie entwickeln sich meistens über Jahrzehnte und Jahrhunderte oder mehr. Und so hat es uns überrascht und gefreut
- dass sich noch Relikte auf der Fläche fanden, die keiner erwartet hat und die nach und nach verschwunden wären aber dank uns wieder aufblühen konnten.
- wie schnell die Natur sich auf die neu angelegten und gepflegten Biotope eingestellt hat.
Auf Ewald gab es bisher drei Monitoring-Durchläufe in drei verschiedenen Jahren, einmal ganz zu Anfang 2022 und 2023 und ein paar Jahre später 2025. Diese werden von externen Fach-Planungsbüros durchgeführt. Diese Berichte können geteilt werden.
Diese Artengruppen wurden untersucht und brachten z.B. diese wichtigen Funde hervor:
- Laufkäfer -> Feld- und Dünen-Sandlaufkäfer, Zwerg-Kamelläufer,
- Tagfalter -> Tagpfauenauge („Lepidoptera-Track“), Wander-Gelbling, Hauhechelbläuling
- Heuschrecken -> Blauflügelige Ödlandschrecke, Blauflügelige Sandschrecke
- Brutvögel -> Nachtigall, Hohltaube, Mittelspecht, Star
- Flora
- Vegetation -> Tausendgüldenkraut, Heidenelke
- Fledermäuse -> Braunes Langohr
Für dich: Was du tun kannst
Wir haben gelernt, dass die meisten Produkte und Dienstleistungen die Kosten für deren Umweltschäden nicht tragen.
Für dich heißt das: Jeder Kauf/Griff ins Regal macht einen Unterschied für die Umwelt und ist eine Entscheidung, die du selber treffen kannst (z.B. nachhaltige Produkte)!
Wir haben gelernt, dass auch an unscheinbaren Orten noch Überraschungen schlummern können, die man schützen/retten kann.
Für dich heißt das, dass sich gute Taten immer lohnen, seien es kleine Entscheidungen im Alltag, kleine Biotope oder kleine Beiträge (z.B. Müll sammeln, Naturschutzaktionen unterstützen, Wildblumen einsäen)!