Glyphosat ist das meistverkaufte und am häufigsten eingesetzte Ackergift der Welt. In Deutschland wird es laut Umweltbundesamt auf fast 40 Prozent der Felder eingesetzt. Die jährliche Menge beträgt dabei rund 4.000 Tonnen. Glyphosat tötet als sogenanntes „Totalherbizid“ jede Pflanze ab, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie gegen Glyphosat resistent ist. Im Jahr 2023 wurde die Zulassung von Glyphosat um zehn weitere Jahre verlängert.
Das hat verheerende Auswirkungen auf Biodiversität und Nahrungsketten: Da Glyphosat dazu beiträgt, unerwünschte Pflanzen auf Feldern zu reduzieren, finden bestäubende und pflanzenfressende Insekten weniger Nahrung, was sich wiederum auf die Nahrungsgrundlage vieler anderer Tierarten auswirkt. So beträgt beispielsweise der Rückgang der Vogelpopulation in der EU seit 1980 mehr als 30 Prozent.
Doch nicht nur die Biodiversität ist durch Glyphosat gefährdet – auch die menschliche Gesundheit: Dass Glyphosat im Darm Bakterien abtötet, die für die Verdauung benötigt werden, ist erwiesen. Im März 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) – eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Glyphosat zudem als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.
Eine wissenschaftliche Metastudie der Universität Washington aus dem Jahr 2019 ermittelte für Menschen, die dem Pestizid ausgesetzt sind, einen Anstieg des relativen Risikos, am Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, um 41 Prozent.
In den USA haben zehntausende Menschen, die mit dem Herbizid in Kontakt gekommen und an Krebs erkrankt sind, den Konzern Bayer als Glyphosat-Hersteller auf Schadensersatz verklagt; die meisten Klagen sind derweil noch offen, während der Konzern in den letzten Jahren Vergleiche mit rund 96.000 Klägern erreichte – und einige Gerichtsprozesse verlor.
In unserer Studie zur Pestizid-Belastung der Luft wurde Glyphosat an allen technischen Messstandorten (Passivsammler und Filtermatten) in ganz Deutschland nachgewiesen. Das Herbizid befindet sich also überall in unserer Atemluft – und das, obwohl die Verflüchtigung von Glyphosat laut Zulassungsbehörden als ausgeschlossen gilt. Auch im menschlichen Körper wurde der Wirkstoff nachgewiesen: Im Rahmen der Citizen Science Studie „Urinale“ wurde 2015 der Urin von über 2.000 Proband*innen auf Glyphosat-Rückstände untersucht. Das Ergebnis: In 99,6 Prozent der Proben wurde Glyphosat nachgewiesen.
Quellen:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/glyphosat
https://www.boell.de/sites/default/files/2022-01/Pestizidatlas2022_Web_20220108.pdf
https://enkeltauglich.bio/start/pestizide/studie-urinale/
https://pan-germany.org/pestizide-uebersicht/glyphosat-themenseite/