Pilotstudie 2018

Die erste umfassende Studie zur Pestizid-Verbreitung durch die Luft liegt vor

Auf der BioFach 2019 präsentierte das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft die bisher umfassendste Studie für Deutschland zur Verbreitung von Pestiziden über die Luft. Mittels Luftgüte-Rindenmonitoring wurden Bäume an 47 unterschiedlichen Standorten bundesweit untersucht. Die Ergebnisse, die das vom Bündnis beauftragte unabhängige Forschungsbüro TIEM integrierte Umweltüberwachung durchgeführt hat, zeigen: Gleich, ob landwirtschaftliche Region, Naturschutzgebiet oder Großstadt – an allen 47 untersuchten Standorten wurde eine Pestizid-Belastung nachgewiesen. Insgesamt 106 Substanzen in unterschiedlichen Kombinationen fanden die Forscher. Trauriger Spitzenreiter ist Pendimethalin. Auf Platz zwei folgt überraschend DDT, ein Wirkstoff, dessen Einsatz in Deutschland seit Jahrzehnten verboten ist. »Hier zeigt sich anschaulich, wie die Entscheidungen früherer Generationen sich noch lange in die Zukunft auswirken«, kommentiert Stephan Paulke, 1. Vorsitzender des Bündnisses.

An über der Hälfte aller Standorte wurde Glyphosat nachgewiesen – ein besonders brisantes Ergebnis, denn bei Glyphosat galt eine Verfrachtung über die Luft bisher als ausgeschlossen. »Damit dürfte klar sein, dass die aktuellen Regelungen zum Monitoring und der Regulierung der Luftbelastung nicht ausreichen«, stellt Johannes Heimrath von der Bürgerinitiative Landwende und Vorstandsmitglied des Bündnisses, fest.

Als Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie fordert das Bündnis die Aussetzung der Zulassung der Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb, da die bisherigen Auflagen offensichtlich nicht ausreichend sind, um die Umwelt und den ökologischen Landbau zu schützen. Ebenso ist eine Neubewertung der Zulassung von Glyphosat notwendig, da die offensichtlich stattfindende Luftverfrachtung im Zulassungsverfahren derzeit nicht berücksichtigt wird. Eine Revision des europaweiten Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel ist demnach dringend erforderlich: Ein umfassendes Monitoring der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt muss einbezogen werden. Nur so kann angesichts der neuen Erkenntnisse langfristig die von der EU garantierte Koexistenz von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sichergestellt werden.

Zum Download der Studie klicken Sie hier: Bericht-H18-Rinde-20190210-1518-1

An dieser Stelle sei uns die Würdigung des Menschen erlaubt, ohne den diese Arbeit so nicht hätte verwirklicht werden können: Frieder Hoffmann ist am 4. März dieses Jahres überraschend verstorben. Als Umweltwissenschaftler hat er einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der komplexen Auswirkungen unserer heutigen Lebens- und Produktionsweisen auf die mehr-als-menschliche Welt geleistet. In unserem Auftrag hat er zuletzt die vorliegende Studie entworfen und durchgeführt. Bis zum letzten Atemzug war es ihm wichtig, die Sachverhalte korrekt darzustellen und dafür zu sorgen, dass die Schlüsse, die wir gemeinsam aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen haben und nunmehr ohne ihn weiter ziehen werden, politisch wirksam zu einem baldigen Ende des Gifteintrags in Feld und Flur führen.

Ulrich Schlechtriemen, einer seiner langjährigen Partner, schrieb uns:

»In über 25 Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit haben wir nicht nur spannende und wissenschatlich interessante Projekte bearbeitet, sondern auch vielfältige interdisziplinäre Fragestellungen entwickelt und formuliert. Dabei war besonders auffallend, mit welcher wissenschaftlichen und auch praktischen Weitsicht Frieder an die Arbeiten gegangen ist. Seine umfassende biologische Denke, verbunden mit einer weitsichtigen Fähigkeit zur Problemerfassung und sowohl technischen, als auch praktischen Bewältigung haben seine Arbeit ausgezeichnet und unsere erfolgreichen Projektabschlüsse gewährleistet .

Er war gleichzeitig Planer, Tüftler, Umsetzer und nicht zuletzt ein Begeisterer für Frage- und Problemstellungen rund um alles , was im Zusammenwirken von Mensch und Natur für ihn wichtig war.

Es war eine große Bereicherung für mich, mit ihm zusammenzuarbeiten und seine hohe Motivation und gleichzeitig Menschlichkeit zu erleben. Er hinterlässt eine große Lücke.«

Dem können wir uns nur anschließen.